DAS BUCH JOSUA
Lektion 9 : Erben der Verheißung, Gefangene auf Hoffnung
9.4 Das Erlassjahr
Gerechtigkeit, Gnade und Neuanfang im Rhythmus Gottes
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Einleitung
Es gibt Gesetze, die wie trockene Seiten klingen – und dann gibt es Gebote, die das Herz Gottes sichtbar machen.
Das Erlassjahr, das Sabbatjahr, die Rückgabe des Landes – all das war kein mechanisches System, sondern eine Liebeserklärung Gottes an ein Volk, das nie in dauerhafte Armut oder Ungerechtigkeit fallen sollte.
Im alten Israel sollte jeder Mensch eine reale Chance auf einen neuen Anfang haben. Niemand sollte für immer gefangen bleiben in Schulden, Schicksal oder sozialer Ungleichheit.
Diese göttliche Vision ist bis heute revolutionär.
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Bibelstudium
1. Historischer Hintergrund
3.Mose 25 ist eines der radikalsten sozialen Kapitel der ganzen Bibel.
Israel steht kurz davor, in das verheißene Land einzuziehen. Hier legt Gott fest, wie eine gerechte Gesellschaft aussehen soll, die nach Seinem Charakter geformt ist.
Gott verhindert bewusst eine Wirtschaftsordnung, in der:
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Reichtum sich bei einigen wenigen ansammelt,
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Armut erblich wird,
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Menschen durch Schulden dauerhaft versklavt werden,
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oder Land endgültig verloren geht.
Das Land ist im Alten Testament nie nur Zahl oder Besitz.
Es ist:
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Zeichen des Bundes,
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Grundlage des Lebens,
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Ort der Identität,
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und Symbol der Freiheit.
Darum darf Israel es nicht behandeln wie Ägypten — ein System der Unterdrückung.
2. Das Sabbatjahr – 3. Mose 25,1–5
Was sagt der Text?
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Sechs Jahre darf Israel säen, ernten, wirtschaften.
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Im siebten Jahr soll das Land ruhen.
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Weder Felder noch Weinberge dürfen bewirtschaftet werden.
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Was von selbst wächst, ist nicht für Profit, sondern für alle: Arme, Fremde, Tiere.
Was bedeutet das?
Der Boden ist nicht Eigentum Israels
„Denn mir gehört das Land“ (3. Mo 25,23).
Gott bleibt der wahre Besitzer.
Israel ist nur Verwalter.
Wertbegrenzung statt Ausbeutung
Gott setzt natürliche Grenzen gegen Profitgier.
Der Rhythmus des Schöpfers gilt für Mensch und Erde
Wie der Mensch einen Sabbat braucht, braucht ihn auch die Erde.
Gott verknüpft Ökologie und Spiritualität.
Soziale Gerechtigkeit ist Pflicht, nicht Option
In diesem Jahr lebt der Reiche vom selben Feld wie der Arme.
Alle sind gleich.
3. Das Erlassjahr / Jubeljahr – 3. Mose 25,8–13
Das 50. Jahr ist das heiligste soziale Ereignis der Bibel.
Was geschieht?
1. Schulden werden gelöscht
Menschen können wieder aufatmen, neu beginnen.
2. Jeder kehrt in seine ursprüngliche Familie und seinen Besitz zurück
Das schützt vor dauerhafter Enteignung.
3. Sklaven kommen frei
Nicht aus Gnade der Besitzer —
sondern weil Gott sie frei haben will.
4. Der gesamte wirtschaftliche Kreislauf wird zurückgesetzt
Ungerechtigkeit darf sich nicht verfestigen.
4. Gottes Herz hinter diesem Gesetz
Diese Regelungen zeigen:
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Gott will keine Klassen, in denen Menschen „oben“ oder „unten“ bleiben.
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Er will, dass Schuld nicht zum lebenslangen Gefängnis wird.
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Er will, dass immer Hoffnung bleibt — sogar für die, die alles verloren haben.
-
Er will, dass das Land einem gerechten Zweck dient, nicht gierigen Strukturen.
Das Erlassjahr ist das Evangelium im Schattenbild:
Freiheit, Gnade, Wiederherstellung.
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Antworten zu den Fragen
Frage 1: Welchen Zweck hatten das Sabbatjahr und das Erlassjahr?
1. Schutz der Schwachen
Wer durch Krankheit, Pech, Schuld oder Ungerechtigkeit fiel, bekam immer eine realistische Chance zurück ins Leben.
2. Verhinderung von dauerhafter Armut
Gott duldet keine Endlosschleifen aus Ausbeutung, Schulden und Existenzverlust.
Das Erlassjahr war ein göttlicher „Schutzmechanismus“.
3. Begrenzung wirtschaftlicher Macht
Reiche konnten Land erwerben — aber nie endgültig.
Kein Familienclan durfte zu einer unausweichlichen Elite werden.
4. Erinnerung: Alles gehört Gott
Ein Israelit durfte nicht denken: „Mein Land, mein Erfolg, mein Besitz.“
Alles kommt von Gott — und gehört ihm.
5. Wiederherstellung der ursprünglichen Ordnung
Nach jedem Zyklus wurde Israel als Volk wieder „gerade gestellt“.
6. Förderung von Mitgefühl
Das Sabbatjahr zwang die Menschen, miteinander zu teilen, da niemand „vorarbeiten“ konnte.
7. Vorbereitung auf Christus
Das Erlassjahr spiegelte Jesu Worte:
„Der Herr hat mich gesandt zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“
(Lk 4,19)
Jesus ist das endgültige Jubeljahr.
Frage 2: Wie erinnern uns die Prinzipien der Landverteilung und des Sabbats daran, dass wir in Gottes Augen alle gleich sind? Und wie hilft uns der Sabbat gegen Konsum und Ausbeutung?
1. Gott definiert den Wert des Menschen — nicht Besitz
Im Sabbatjahr und Erlassjahr ist jeder Empfänger von Gnade, nicht Leistungsträger.
2. Gleicher Zugang zu Gottes Segen
Im Sabbat:
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isst der Reiche, was der Arme isst,
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ruht der Sklave, wie der Herr ruht,
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erhält die Erde eine Pause wie der Mensch.
Niemand ist „mehr wert“.
3. Der Sabbat widerspricht dem Konsumdruck
Jede Woche sagt der Sabbat:
„Du bist nicht, was du leistest.
Du wirst getragen — nicht angetrieben.“
4. Der Sabbat schützt vor Ausbeutung
Ruhe ist nicht Luxus — sie ist Gottesrecht.
In einer Wirtschaft, die Menschen verbrennt, setzt Gott eine heilige Grenze:
„Bis hierher — und nicht weiter.“
5. Der Sabbat zwingt uns, Gott zu vertrauen
Ein Tag ohne Produktion ist ein Glaubensbekenntnis:
„Gott ist meine Versorgung — nicht mein Job.“
6. Der Sabbat macht uns frei von endlosen Forderungen
Während die Welt sagt:
„Arbeite mehr, kauf mehr, erreiche mehr“,
sagt Gott:
„Ruh aus. Ich bin genug.“
7. Der Sabbat entlarvt ungerechte Systeme
Er zeigt:
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Wer Menschen ausbeutet.
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Wer keine Grenzen anerkennt.
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Wer Besitz über Menschen stellt.
Gott aber stellt den Menschen über Profit.
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Geistliche Prinzipien
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Gott baut Gesellschaften auf Gerechtigkeit – nicht auf Erfolg.
Sein Herz schlägt für die Schwachen, Vergessenen, Überforderten. -
Gnade ist kein Gefühl, sondern ein System.
Israel sollte Gnade strukturell leben – nicht nur im Privaten. -
Gott will keine dauerhafte Ungleichheit.
Jedes Erlassjahr war ein Reset Gottes für ein krankes System. -
Ruhen ist heilig.
Der Sabbat zeigt: Wert kommt nicht aus Leistung. -
Neuanfang ist Gottes Handschrift.
Niemand ist endgültig definiert durch sein Gestern.
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Anwendung im Alltag
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Prüfe: Wo laufe ich in Konsum- oder Leistungsrädern, die mich auffressen?
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Frage dich: Wen könnte ich entlasten? Wem könnte ich vergeben?
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Lege bewusst regelmäßige Ruhetage ein – echte Ruhe, keine Ersatzaktivität.
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Lebe großzügiger: Geld, Zeit, Aufmerksamkeit sind Gottes Ressourcen in deinen Händen.
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Übe „inneres Erlassjahr“:
Lass Schulden los, die Menschen bei dir haben – Schuldgefühle, Erwartungen, alte Vorwürfe.
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Fazit
Das Erlassjahr war ein göttliches Protestzeichen gegen Ungerechtigkeit.
Ein Schutzwall gegen die Spirale der Armut.
Ein Ruf zur Gleichheit.
Ein Spiegel des Himmels.
Es zeigt uns:
Gott entlässt niemanden in die Hoffnungslosigkeit.
Jeder darf neu beginnen.
Gnade ist stärker als Geschichte.
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Gedanke des Tages
Sabbat bedeutet: Dort, wo du loslässt, kann Gott endlich handeln.
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Illustration
Der fünfzigste Morgen
Ein Jahr, das alles zurückgab
Kapitel 1 – Die Schulden, die ihn erdrückten
Jonas, 44, stand in seinem Bürogebäude in Frankfurt und sah auf die Stadt, die glänzte wie Erfolg – und sich anfühlte wie ein Käfig.
Er war Projektmanager, gut bezahlt, gut gekleidet – und innerlich zerbrochen.
Die Schulden seiner Jugend, alte Kredite, ein unglückliches Investment, der Druck seiner Eltern, die Erwartungen seiner Firma …
Er trug sie wie Betonplatten.
Seit Jahren.
Und obwohl er alles tat, um zu funktionieren, lebte er im Modus:
„Noch ein Jahr. Noch ein Projekt. Noch ein Kraftakt.“
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Kapitel 2 – Die Email aus Jerusalem
Eines Morgens erhielt er eine Mail von seinem Cousin Daniel, der in Israel lebte:
„Jonas, weißt du, was heute wäre – wenn wir im alten Israel lebten?
Das Erlassjahr.
Der fünfzigste Morgen.
Der Tag, an dem Schulden aufhören und Menschen heimkehren.“
Jonas las die Worte drei Mal.
Etwas in ihm vibrierte.
Ein fremdes, vergessenes Wort: Freiheit.
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Kapitel 3 – Die Frage, die ins Herz traf
Wenige Tage später saßen sie zusammen, in einem kleinen Café in Tel Aviv.
Daniel sah ihn lange an.
„Jonas…“, begann er leise, „wann hattest du deinen letzten Sabbat?
Ich meine nicht ein Wochenende. Ich meine wirkliche Ruhe?
Wann hast du losgelassen? Vergeben? Dir selbst vergeben?“
Jonas musste wegschauen.
Er wusste die Antwort: Noch nie.
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Kapitel 4 – Der Spaziergang durch die Altstadt
Sie gingen durch Jerusalems verwinkelte Gassen.
Daniel erzählte ihm vom Sabbatjahr, vom Erlassjahr, von Gottes Vision eines Lebens ohne ewiges Gefangensein.
„Gott hat nie gewollt“, sagte er, „dass Menschen für immer in ihren Schulden, Fehlern oder Lebensumständen steckenbleiben.
Alle 50 Jahre klang ein Schofar – und alles begann neu.“
Dann blieb Daniel stehen.
„Jonas, vielleicht brauchst du dein eigenes Erlassjahr.“
Jonas spürte Tränen, die er nicht erwartet hatte.
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Kapitel 5 – Der fünfzigste Morgen
Am nächsten Morgen, im frühen Licht, saß Jonas allein am Strand von Jaffa.
Er nahm sein Notizbuch und schrieb drei Sätze:
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Ich vergebe mir meine Fehler.
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Ich lasse los, was mich knechtet.
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Ich vertraue Gott, dass er Neues schafft.
Er riss die Seite heraus, knüllte sie zusammen – und warf sie ins Meer.
Und zum ersten Mal seit Jahren atmete er wirklich tief.
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Kapitel 6 – Heimkehr
Zurück in Deutschland traf Jonas mutige Entscheidungen.
Er wechselte den Job.
Er verkaufte Besitz, der ihn versklavte.
Er begann Sabbat zu feiern – wirklich zu ruhen, zu glauben, zu leben.
Er lernte:
Freiheit ist kein Ereignis. Freiheit ist ein Rhythmus.
Und jedes Jahr, am gleichen Datum wie damals in Israel, las er 3. Mose 25 und sagte:
„Heute ist mein fünfzigster Morgen.“
Schlusswort
Das Erlassjahr ist keine alte Regel.
Es ist Gottes Handschrift.
Gott ruft dich – heute, jetzt – in ein Leben, das neu beginnt.
Wo brauchst du deinen „fünfzigsten Morgen“?
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Dialogus Dei | Höre zu. Stelle Fragen. Wachse mit Gott.
*Sursa: Christliche Ressourcen